"Der Mensch lebt durch Leidenschaft, durch Vernunft existiert er bloß!"

Eine menschliche Schaufensterpuppe kriecht auf uns zu. Ein Mann, ein Kahlkopf, die Augen wach und wild und rot, seine Hand, die fordernd nach vorne greift, die Finger gespreizt. Raus aus der Starre und lechzen nach Leben - die Puppe bricht aus. Das Motiv mit dem Kahlkopf, im Kampf für das Sein und gegen den Schein: Dieses Bild ist nicht nur bloß ein Bild. Es erzählt etwas, das weitergehen würde, wenn die Figur über den Rand des Fotos tasten könnte. Und, ja: Das tut sie, wenn man das Werk betrachtet, wie alle anderen Werke auch - denn die Motive von Stephan Sackmann atmen Seele. Ein Modebild machen und doch so viel mehr, ein Mädchen zeigen, das im Pullover posiert - und seinen Körper umfasst, als wolle es Halt bei sich suchen. Schwanensanft und stark zugleich: Die Arbeiten des Hamburger Fotografen (*1969) sind Handwerk und Kunst in Einem, sein Können ist breit gefächert und flexibel, er ist nicht festgelegt, und das ist ihm wichtig. Vielmehr sucht er die Mitte, in der er Eigenwilligkeit und Kompromiss aneinander lehnen kann, ohne sich selbst dabei zu verraten. Ein Lieblingszitat des Künstlers stammt von Francis Bacon: "Was immer ihr in meinen Bildern seht, ich bin mir sicher, dass ich es gemeint habe." Übersetzt in die Sackmann-Sprache heißt das: "Wenn man in meinen Bildern liest, bin ich schon glücklich darüber, dass man liest." Ob das ankommt und wie das ankommt, "das ist nicht steuerbar", sagt der studierte Fotodesigner. Und auch das: "Ich habe einen Mitteilungszwang, es ist für mich eine Selbstverständlichkeit, dass man darauf angewiesen ist, sich anderen mitzuteilen." Verarbeiten, "herausposaunen", was ihn bewegt will der Fotograf, seine Bildsprache als visuelle Prosa oder romantisch stilisierte Realität mit anderen teilen. Und genau das alles lässt seine Models zu lebendigen Grenzgängern werden, die in Abgründe tauchen und Geschichten berichten in Schönheit und Stolz. In den Moment gehen. Im Augenblick das Große sehen. Darum geht es bei Stephan Sackmann.

Almut Steinecke
Journalistin / Bochum

   
 

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